Band 4 der Kinderbuchreihe Texaskids

Alle Kinderbücher der Buchreihe sind als E-Books erhältlich. Die Sammelbände sind auch als Taschenbücher erhältlich.


Band 4: Das Dorf im Nirgendwo

Kinderbuch PDF Cowgirl, Cowboys, Kinder Western Texaskids
E-Book Ausgabe

Die Texaskids Samuel, Julia und Daniel wollen ein paar schöne Tage in freier Wildbahn an einem See verbringen, den sie auf der Landkarte ausfindig machen konnten. Dort angekommen, entdecken sie ein kleines, schmuckes Dorf, das in keiner Karte verzeichnet ist.

 

Schnell bemerken sie, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Kinderdetektive beschließen, das Geheimnis zu lüften, was sich als gefährliches Unterfangen herausstellt.


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1.  Ein tolles Ziel

Den Kindern der texanischen Kleinstadt Bastrop stand ein verlängertes Wochenende bevor. Alle Schulpflichtigen freuten sich auf die schulfreien Tage, an denen das Wetter versprach, wunderschön zu werden. Denn wie fast jeden Tag war es sonnig und nicht ein einziges Wölkchen trübte den tiefblauen Himmel. Es wehte ein angenehm warmer Wind und ein herrlich süßlicher Duft nach Blüten verbreitete sich in der gesamten Umgebung.

Ungeduldig vor Unternehmungslust saßen die drei Kinderdetektive Samuel, Julia und Daniel in Samuels Zimmer. Die drei Freunde waren nicht nur Klassenkameraden, sondern hatten vor einiger Zeit das Detektivteam Texaskids gegründet. Die Texaskids waren ein eingeschworenes Team, hatten als Detektive schon einige Fälle gelöst und wurden mit der Zeit immer besser. Ihr Markenzeichen waren ihre farbigen Cowboyhüte. Julia trug einen roten Hut, Samuel einen blauen und Daniel einen grünen Cowboyhut. Damit fielen sie auf, wenn sie irgendwo hinkamen.

Diesmal stand kein Auftrag bevor und die Kinderdetektive wollten einfach nur ein paar schöne schulfreie Tage genießen und sich dabei mal so ordentlich austoben.

Julia und Daniel beobachteten ihren Freund Samuel, wie er eifrig an seinem Klapprechner recherchierte und dabei nervös am Ende eines Bleistifts knabberte.

»Ich möchte schwimmen und tauchen«, äußerte Julia ihren Wunsch.

»Ich will Boot fahren«, meldete sich Daniel zu Wort.

Samuel nickte. »Bootfahren, schwimmen und tauchen? Damit ist wohl klar, dass wir unsere freien Tage an einem See verbringen werden.«

»Aber achte bitte auf die Entfernung. Ich habe keine Lust, wieder einen ganzen Tag lang unterwegs zu sein und dort völlig entkräftet anzukommen«, bat Daniel.

 


 

Julia hob ihre Augenbrauen. »Falls es dir zu viel wird, Dan. Kann ich dich ja tragen.«

Samuel schüttelte den Kopf. »Ihr stellt vielleicht Ansprüche?! Ihr macht es mir nicht gerade einfach, ein geeignetes Ausflugsziel zu finden.«

Julia rückte ihren kirschroten Cowboyhut zurecht und lächelte Samuel schief an. »Wenn wir dich überfordern, sag bescheid.«

»Pah!«, lachte Samuel auf, »ich wäre nicht Sam, hätte ich nicht längst etwas Passendes gefunden.«

Samuel drehte den Klapprechner um. »Seht euch das an und staunt.« Julia und Daniel betrachteten das Bild auf dem Klapprechner, auf dem ein mit Bäumen und Rasen umsäumter, türkiesfarbener See zu sehen war.

»Klasse. Der sieht gut aus. Wie weit ist der weg?«, wollte Daniel wissen und befürchtete, sich wieder einmal bei sengender Hitze kilometerweit durch die Prärie kämpfen zu müssen.

»Es sind nicht einmal fünf Kilometer von hier«, teilte Samuel mit, »es ist ein schöner See, inmitten der Prärie.«

»Inmitten der Prärie? Toll«, freute sich Julia, »das heißt, wir können herumtollen und so laut schreien, wie wir wollen, ohne damit jemanden zu stören.«

»Das ist der Sinn der Sache, Freunde. Schließlich wollen wir uns ungestört austoben können«, sagte Samuel ohne seinen Blick vom Rechner zu heben.

Die Zeltausrüstung war längst gepackt und stand im Flur neben der Haustür bereit. Die Kinder hasteten in die Küche, wo Samuels Mutter gerade dabei war, den Proviant für den geplanten Ausflug vorzubereiten. Die dreißigjährige, schlanke Frau hatte ihr blondes Haar zu einem Zopf zusammengeflochten, der über ihren Rücken über die pinkfarbene Kittelschürze fiel.

»Und? Habt ihr ein passendes Plätzchen für euren Ausflug gefunden?«, interessierte sie sich.

»Ja, Mama«, antwortete Samuel, »wir gehen an einen schönen See, der nicht einmal fünf Kilometer von hier entfernt ist.«

 


 

»Prima«, freute sich Misses Smith, »ich habe euch reichlich Verpflegung vorbereitet. Sandwichbrot, Fisch- und Wurstkonserven und frisches Obst. Zum Trinken habe ich euch ein paar Flaschen Mineralwasser und einige Beutel Apfelsaft und Milch bereitgestellt.«

Samuel sah über den Tisch, wo alles vorbereitet war und erblickte dabei eine glänzende rote Blechdose mit weißem Blumenmuster. »Und was ist in dieser Dose, Mama?«

»Ach ja«, sagte die Mutter, »zum Knabbern habe ich euch selbst gebackene Kekse eingepackt.«

»Danke, Mama“, freute sich Samuel.

»Danke, Misses Smith«, bedankten sich Julia und Daniel gleichzeitig.

Die Frau winkte ab. »Keine Ursache, Kinder. Habt viel Spaß.«

»Den werden wir garantiert haben«, versicherte Samuel.

Julia strich sich eine lange schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht und rückte ihren kirschroten Cowboyhut gerade. »Bis in fünf Tagen, Misses Smith.«

»Ja, bis dann«, verabschiedete sich auch Daniel, dessen grasgrüner Hut schief auf seinem Kopf saß.

»Wir kommen am Dienstag Nachmittag wieder zurück«, teilte Samuel mit und zog unbewusst die Halteschnur seines ozeanblauen Cowboyhutes straff.

 


 

2.  Ein natürliches Badeparadies

Die Texaskids schulterten ihr Gepäck, verließen das Haus und marschierten los. Bald hatten sie die Kleinstadt hinter sich gelassen, die nur noch als schmale Linie am Horizont erkennbar war. Sie folgten einem sandigen Feldweg, der durch eine Ebene führte, die aus einem kniehohen, hellbraunen Teppich vertrockneter Wiesen bestand. Inmitten dieser kargen Landschaft ragten vereinzelt sattgrüne Laubbäume empor, deren Blätter in der gleißend hellen Mittagssonne in leuchtete Grüntöne, unterschiedlicher Schattierungen erstrahlten. Die trockene, staubige Luft war erfüllt mit einem würzigen Duft nach Baumharz.

Ein warmer Wind versetzte die ausgedorrte Graslandschaft in sanfte Wellenbewegungen, fegte durch die Baumkronen und untermalte den trällernden Gesang der Vögel mit einem auf- und abschwellenden Rauschen. Über den tiefblauen Himmel schwebten schneeweiße, filigrane Wolkengebilde, die sich in gewissen Zeitabständen zu abstrakten Figuren formten. Am weit entfernten Horizont schnitt sich die braune Ebene in einer scharfen Linie unter einem schönen Kontrast zum tiefblauen Himmel.

Geschützt durch ihre Cowboyhüte, wanderten Julia, Samuel und Daniel Kilometer für Kilometer unter der prallen Sonne. Die Umgebung veränderte sich nach und nach. Die trockene Graslandschaft wies immer mehr kahle, sandige Flecken auf, bis sich die Kinder schließlich in einer Sandebene befanden, in der es nur vereinzelt ausgedorrte Büsche und Sträucher gab. Der Feldweg verschmolz mit dem goldenen Sandboden und war nicht mehr erkennbar. Der Untergrund wurde immer weicher, wodurch die Stiefel der Kinder einsanken, was das Vorankommen erheblich erschwerte.

Julia blieb stehen. »Na klasse. Der Weg ist verschwunden und wir stehen inmitten der Prärie. Woher sollen wir jetzt wissen, wo wir hinlaufen sollen?«

 


 

Samuel blieb ebenfalls stehen, hob seinen meeresblauen Cowboyhut an und fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch sein goldblondes Haar. Er zog den Zettel mit der ausgedruckten Landkarte und einen kleinen Taschen-Kompass aus seiner Gesäßtasche und ging voraus. »Kein Problem, Leute. Folgt mir einfach.«

»Hey, Freunde«, meldete sich Daniel mit einem etwas jammervollen Unterton in der Stimme, »sollten wir nicht mal eine Rast machen?«

Julia runzelte die Stirn. »Wozu? Etwa damit du deine Windeln wechseln kannst? Schäme dich, Dan. Du wirst wohl noch lächerliche fünf Kilometer ohne eine Pause durchhalten.«

»Aber Julia?! Ich wollte doch nur eine Rast machen, um zu prüfen, ob du dich vielleicht eingenässt hast«, konterte Daniel schmunzelnd.

Samuel lachte, blieb stehen und legte sein Gepäck ab. »Wir trinken etwas und essen einen Keks. Wir können nicht riskieren, dass jemand bei dieser Hitze wegen Wassermangel oder Unterzuckerung einen Schwächeanfall erleidet und womöglich noch zusammenbricht.«

»Überredet, Sam. Das klingt nachvollziehbar«, stimmte Julia zu.

Die Kinder machten eine Rast. Dabei setzten sich auf ihre Gepäckstücke, tranken kühles Mineralwasser, das sie ihn ihrer Kühltasche transportierten, und aßen einen Keks dazu. Nach einer kleinen Erholungspause setzten sie ihren Weg durch die sandige Ebene fort. Die Landschaft war immer noch frei von Schatten spendenden Bäumen und die zarten Wölkchen am Himmel konnten die Sonne ebenfalls nicht abschwächen. Das Schlauchboot, die Zelte, Rucksäcke und Schlafsäcke, die sie mit sich führten, waren von der Sonne so aufgeheizt, dass sie einen sonderbaren Geruch nach Gummi und Kunststoff absonderten. Der helle Sand strahlte ebenfalls eine enorme Hitze ab, was die Wanderer durch die Schuhsohlen ihrer Stiefel spüren konnten. Der warme Wind fegte feine Sandkörner empor und machte die Luft noch staubiger, als sie ohnehin schon war, was den Kindern in den Augen brannte und ihre Atemwege reizte.

Samuel hustete, kniff zum Schutz vor der Sonne seine meeresblauen Augen zusammen und sah sich um. »Bald müssten wir am See ankommen. Es kann nicht mehr weit sein.« Nicht zuletzt wollte er sich mit diesen Worten auch selbst ermutigen. Genau, wie Daniel befürchtet hatte, wurde der Weg wieder einmal unter der heißen Sonne von Texas zur Tortur, die ihnen viel Kraft abverlangte.

Julia schaute über die Ebene hinweg, die eine leichte Steigung aufwies. »Bist du sicher, Sam? So weit man hier blicken kann, ist nirgendwo etwas von einem See zu sehen.«

»Ich verstehe das nicht. Der See müsste eigentlich schon in Sichtweite sein«, versicherte Samuel.