Band 5 der Kinderbuchreihe Texaskids

Alle Kinderbücher der Buchreihe sind als E-Books erhältlich. Die Sammelbände sind auch als Taschenbücher erhältlich.


Band 5: Das Geisterhaus von Bastrop

Kinderbuch PDF Cowgirl, Cowboys, Kinder Western Texaskids
E-Book Ausgabe

Julias Eltern planen einen Urlaub in Florida, doch Julia möchte lieber ihre Ferien mit ihren Freunden Samuel und Daniel daheim in Bastrop verbringen. Die Eltern sind einverstanden.

 

 

Damit Julia nicht alleine ist, dürfen die beiden Jungen ihre Ferien bei ihr verbringen. Das heißt, die drei Freunde haben sturmfreie Bude und können tun und lassen, was sie wollen. Doch die neu gewonnene Freiheit ohne elterliche Ordnung und Regeln mutiert bald zur gähnenden Langeweile. Daher sehnen sich die Kinder nach einem neuen Auftrag als Detektive und werben aktiv mit Flyern.

 

Schon kurze Zeit später meldet sich eine Frau bei ihnen, in deren Haus es angeblich spuken soll. Nach langem Überlegen, nehmen die Texaskids den Auftrag an und begeben sich damit in ein schauriges Abenteuer.


Leseprobe online

1. Außergewöhnliches Herbstwetter

Dicke Regentropfen fielen vom grauen Himmel herab und prasselten über einen malerischen Ort in Texas nieder. Dieser Herbst war für die Region um das texanische Örtchen Bastrop außergewöhnlich. Denn die Regenzeit hatte anscheinend bereits drei Monate zu früh begonnen. Damit drohten die Thanksgiving-Ferien dieses Herbstes buchstäblich ins Wasser zu fallen.

Die drei Klassenkameraden und Kinderdetektive Julia, Samuel und Daniel saßen hinterm Fenster in Julias Zimmer und beobachteten, wie sich der Regen über die Bäume und Büsche ergoss und den Garten hinter dem Haus langsam in eine Sumpflandschaft verwandelte. Durch den Spalt des aufgeklappten Fensters drang kühle, feuchte Luft herein, die das Zimmer mit einem Duft von frischem Regen erfüllte.

Es gab nichts Schlimmeres für die drei Zwölfjährigen, die nun aufgrund des Unwetters im Zimmer herumsitzen mussten. Sie betrieben eine eigene Detektei, nannten sich dieTexaskids und trugen als Markenzeichen farbige Cowboyhüte. Mittlerweile war es ihnen gelungen, als Detektive bereits einige schwierige Fälle zu lösen, worauf sie sehr stolz waren.

Doch diesmal spielte das Wetter verrückt. Endlich hatten die Ferien begonnen, doch das Regenwetter drohte, diese gehörig zu vermiesen.

 »Der Niederschlag reinigt die Landschaft vom Staub, der sich während der Trockenzeit der letzten Monate überall abgelagert hat«, versuchte der blonde Samuel mit den strahlend blauen Augen und dem meeresblauen Cowboyhut dem Wetter etwas Gutes abzugewinnen.

Julia blinzelte mit ihren haselnussbraunen Augen unter ihrem kirschroten Cowboyhut heraus und beobachtete den heftigen Regenschauer, der sich über den Garten ergoss. Mit einer fließenden Handbewegung strich sie sich eine lange schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. »Armer Jimmy«, seufzte sie, »glaubt ihr, es geht ihm gut?«

»Warum nicht? Du hast ihm doch einen Unterschlupf gebaut?!«, wunderte sich Samuel.

»Ach so. Ich hatte euch noch gar nicht erzählt, dass er heute Morgen nicht mehr in seinem Häuschen war«, fiel Julia ein.


 

»Er hat sich vielleicht ein anderes Revier gesucht«, vermutete der grünäugige Daniel, dessen braune Haare mit einem grasgrünen Cowboyhut bedeckt waren.

Julia legte sich aufs Bett und stützte ihren Kopf in beide Hände. »Warum tut er so etwas? Ich habe ihm extra Katzentrockenfutter gekauft. Meint ihr, ihm geht es gut?«

Daniel winkte mit einer ausladenden Handbewegung ab. »Klar geht’s ihm gut. Er ist ein Igel. Igel bewohnen bereits seit fünfzig Millionen von Jahren die Erde. Er braucht dich nicht wirklich und kommt ganz gut ohne menschliche Hilfe zurecht.«

»Das ist wohl wahr. Vielleicht hat er sich nur einen anderen Schlafplatz gesucht und befindet sich immer noch in unserem Garten«, tröstete sich Julia selbst, »ich stelle ihm auf jeden Fall sein Futter hin. Falls er hungrig ist, wird er bestimmt zurückkommen.«

Samuel grinste und rollte dabei mit den Augen. »Ja, mach das, Julia.« Er fand das Ganze amüsant und wunderte sich sehr über Julias außergewöhnliches Verhalten. Sonst war das kecke Mädchen nicht so gefühlvoll. Sie war bekannt, dass sie so draufgängerisch und mutig wie ein Junge war. Und nun das? Was war geschehen? Sollte er sich um sie Sorgen machen?

»Jetzt, wo das mit Jimmy geklärt ist, was sollen wir in den Ferien unternehmen, bei diesem verregneten Wetter?«, fragte Daniel nach Rat. Ihm kam Julias Verhalten auch seltsam vor. Auch er sorgte sich um sie und konnte sich nicht erklären, warum sie sich in solche kurzer Zeit verändert hatte.

Julia ging zum Fenster und wischte mit den Fingern über die nasse beschlagene Fensterscheibe. »Gute Frage, Dan. Was könnten wir bei diesem Wetter unternehmen?! Da bin ich echt überfragt, Jungs. Ausgerechnet jetzt, wo wir in wenigen Stunden das Haus eine ganze Woche lang für uns alleine haben werden, muss ein solches Unwetter über uns hereinbrechen. In Florida scheint bestimmt die Sonne.«

»Du kannst es dir aber noch überlegen, Julia. Wegen uns musst du nicht daheimbleiben«, stellte Samuel klar.


 

»Ja, du kannst ruhig mit deinen Eltern zu deiner Tante nach Florida fliegen«, fügte Daniel hinzu, wobei er versuchte, gleichgültig zu wirken, was ihm aber nicht so gut gelang. Natürlich wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass Julia die Ferien mit ihm und seinem Freund verbringen würde, denn ohne Julia wären sie als die Texaskids unvollständig, und was wäre, wenn sie in Julias Abwesenheit einen Auftrag bekommen würden? Könnten sie diesen ohne sie erledigen?

Julia runzelte die Stirn. »Hey! Was soll das, Jungs? Wollt ihr mich unbedingt los werden? Ich bleibe hier, damit das klar ist.«

»Wir wollen nur nicht, dass du unseretwegen auf schönes Wetter, Sonne und Strand verzichtest«, erklärte Samuel, wobei seine Worte irgendwie unaufrichtig klangen.

»Obendrein würdest du auch auf den Besuch deiner Tante Margarete verzichten«, ergänzte Daniel, »wie sollen wir da kein schlechtes Gewissen bekommen?«

Julia schmunzelte, wobei ihre haselnussbraunen Augen funkelten. »Ja, das mit der Sonne, dem Strand und dem Meer ist tatsächlich ein Verzicht für mich. Aber wegen des entgangenen Besuches bei Tante Margarete und Onkel Marc müsst ihr euch keine Sorgen machen. Ich kenne die Frau und deren Mann nämlich gar nicht. Das ist eigentlich der Hauptgrund dafür, dass ich nicht mit nach Florida möchte. Was soll ich bei diesen fremden Leuten? Ich würde mich nur unnötig zu Tote langweilen.«

»Das ist der Hauptgrund? Und was ist dann der zweite Grund, warum du hierbleiben möchtest?« Daniel setzte eine scheinheilige Miene auf. Er ahnte bereits die Antwort und wollte sie nur noch mal hören, um sicherzugehen und sein Selbstbewusstsein zu stärken.

»Der zweite Grund ist natürlich Jimmy. Ich muss ihm doch täglich frisches Futter bereitstellen.« Julia blickte amüsiert in die verdutzten Gesichter ihrer Freunde.

»Jimmy?«, wiederholte Samuel mit überschlagender Stimme und fuhr sich dabei verlegen mit der Hand durch sein goldblondes Haar.

Julia lachte schrill auf. »Natürlich seid ihr der Grund. Ich kann euch doch nicht alleine lassen.«

»Oh, danke, das ist lieb von dir«, prustete Daniel erleichtert.

»Aber nur, weil ich Angst habe, ihr könntet einen Fall ohne mich lösen«, scherzte Julia.

»Nein, das würden wir niemals tun. Außerdem wollten wir diesmal keine Fälle lösen«, stellte Samuel klar, »wir werden einfach nur unsere Ferien genießen und tun und lassen, was wir wollen und wozu wir Lust haben.«


 

»Genau«, stimmte Daniel zu, »wir sollten es echt ausnutzen, bei dir übernachten zu dürfen, solange deine Eltern weg sind.«

Samuel nickte so heftig, dass sein meeresblauer Hut verrutschte, den er sofort wieder gerade rückte. »Das war übrigens echt nett von deinen Eltern, uns für diese Woche einzuladen.«

»Es war auch von mir nett, der Vorschlag kam nämlich von mir«, stellte Julia klar.

Wie gerufen, klopfte es an der Zimmertür. Eine Frau, Anfang 30, mit schwarzem langem Haar trat herein. »Der Regen hat nachgelassen, wir werden jetzt fahren.«

»Ist gut, Mama«, antwortete Julia, »viel Spaß in Florida und schöne Grüße an Tante Margarete und Onkel Marc.«

»Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub, Misses Jakobson«, sprach Daniel für Samuel und Julia mit.

»Dankeschön, ich wünsche euch eine schöne Zeit. Falls etwas sein sollte, die Nummer von Tante Margarete liegt neben dem Telefon«, informierte Julias Mutter.

Die Kinder begleiteten Misses Jakobson nach unten. Sie stellten sich an die Straße und winkten Julias Eltern hinterher, als diese wegfuhren.

Kaum war der dunkelgrüne Geländewagen außer Sichtweite, tanzte Julia in der Einfahrt umher. »Hurra! Sie sind weg! Jetzt haben wir das ganze Haus für uns alleine, Leute. Lasst es krachen.«

Daniel tanzte sie an. »Lasst uns keine Zeit verlieren und lasst uns etwas unternehmen.«

Samuel blickte betrübt zum Himmel, der mit dicken, grauen Wolken verhangen war. »Ich sag‘s ungern, Leute, aber wir sollten unsere Aktivitäten auf drinnen beschränken. Denn wie es aussieht, kann es jeden Moment wieder anfangen zu regnen.«

»Was soll’s?«, sagte Julia, »das ist kein Problem, amüsieren wir uns eben drinnen.«

Samuel, Daniel und Julia gingen ins Haus. Ihre Mienen waren über dieses Unwetter mindestens genauso duster wie der Himmel.

Doch Julias Gesichtsausdruck hellte sich plötzlich auf. »Ich hab’s! Wir tun das, was man bei einem solchen Wetter einfach tun muss.«

»Was tut man bei einem solchen Wetter? Etwa schlafen?«, hakte Daniel nach.


 

»Schlafen? Bist du ein Kleinkind? Nein, wir sehen fern bis zum Abwinken«, freute sich Julia, »dazu könnten wir uns in der Mikrowelle frisches Popcorn zubereiten und Apfelsaft trinken, bis wir platzen.«

»Das klingt mehr als nur gut«, war Daniel begeistert.

Samuel zog die Mundwinkel schief. »Naja, das klingt nicht gerade nach einem tollen Abenteuer.«