Band 7 der Kinderbuchreihe Texaskids

Alle Kinderbücher der Buchreihe sind als E-Books erhältlich. Die Sammelbände sind auch als Taschenbücher erhältlich.


Band 7 - Die Gesetzesbrecher

Kinderbuch PDF Cowgirl, Cowboys, Kinder Western Texaskids
E-Book Ausgabe

Yippie! In Texas haben endlich die Sommerferien begonnen. Die drei Freunde Samuel, Daniel und Julia sind außer sich vor Freude und wollen am Coloradoriver zelten. Inmitten der einsamen Natur zwischen mannshohen Bäumen und Büschen fühlen sie sich frei. Doch dieses Gefühl währt nur kurz, denn sie scheinen dort nicht die Einzigen zu sein. Angebliche Goldgräber dringen in ihr Revier ein, machen ihnen den Platz streitig und wollen sie vertreiben. Doch die Kids lassen sich das nicht gefallen. Sie leisten harten Widerstand und entdecken, wer die Eindringlinge wirklich sind. Lasst das Abenteuer beginnen. Yee-haw!

 


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1. Eine gehörige Abreibung

In den USA im Bundesstaat Texas hatten endlich die Sommerferien begonnen. Der Himmel war tiefblau, wolkenlos und im Ort Bastrop war es so heiß, dass die Luft über der verdorrten Landschaft flimmerte. Es roch nach verbrannter Erde und heißem Teer und es herrschte eine Stille, als würden alle Menschen und Tiere schlafen.

Wenige Meilen außerhalb der Ortschaft erstreckte sich eine sandige Ebene, die mit kniehohen, braunen Büschen übersät war. Drei zwölfjährige Kinder stapften forschend durch das Gelände und wirbelten dabei Staub auf. Das Mädchen trug einen roten, ein Junge einen blauen und der andere Junge einen grünen Cowboyhut. Zum Schutz vor der Sonne hatten sie diese tief ins Gesicht gezogen.

Entsetzt sah sich das Mädchen um. »Hier sieht es schlimmer aus, als ich dachte. Alles ist vertrocknet oder zu Asche verbrannt.«

»Das stimmt, Jul«, meinte der Junge mit dem grünen Hut. »Es ist echt schlimm, wie das Feuer letztes Jahr hier gewütet hat. Nachdem wir jetzt die Landschaft begutachtet haben, sollten wir unsere Pläne noch mal gründlich überdenken.«

»Wie meinst du das, Dan?«, stutzte der Junge mit dem blauen Hut.

»Das ist ganz einfach, Sam«, sagte Daniel. »Wir haben doch die Landschaft erkundet, weil wir zelten wollten. Wie wir jetzt festgestellt haben, ist hat sie sich noch nicht richtig erholt. Alles ist noch trocken und verbrannt. Deshalb dachte ich, …«

»Was dachtest du, Dan?«, unterbrach Julia mit kritischer Miene. »Willst du etwa aus diesem Grund nicht zelten gehen? Das wäre doch absurd. Uns war doch klar, dass sich die Natur nicht innerhalb eines Jahres von dem Feuer erholen kann. Eigentlich wollten wir doch nur nachsehen, wie weit sich das Gelände regeneriert hat. Das hat nichts mit unseren Plänen zu tun! Niemand hatte erwartet, dass inzwischen alles nachgewachsen sei.«

»Das ist wahr. Aber wollen wir wirklich in einer so trockenen und verbrannten Gegend zelten?«, fragte Daniel unsicher.


 »Nein«, antwortete Julia ironisch. »Du bleibst selbstverständlich daheim, strickst einen Pullover oder lackierst deine Fingernägel, wie es andere Mädchen deiner Art tun würden. Ich werde zelten gehen und die freie Natur genießen. Irgendwie ahnte ich schon, dass du kneifen würdest, Dan.«

»Ich? Niemals«, wies Daniel von sich. »Ich bin kein Mädchen! Natürlich komme ich mit. Das wird klasse werden. Aber wie sieht es mit dir aus, Sam? Hast du Lust?«

»Klar doch«, schloss sich Samuel an und rückte seinen blauen Hut zurecht. »Wir werden ja direkt am Coloradoriver zelten. Da haben wir ausreichend Wasser und die vertrocknete Landschaft um uns herum kann uns egal sein.«

»Yee-haw!«, stieß Julia einen Freudenschrei aus. »Wir werden am Coloradoriver zelten.« Tanzend hüpfte das Mädchen voraus. »Fangt mich doch, wenn ihr könnt.«

»Wo liegt das Problem?« Samuel löste das Seil von seinem Gürtel, schwang es durch die Luft und warf es Julia über. Mit einem kräftigen Ruck brachte er sie zu Fall.

»Hey! Aua! Der Sand ist glühend heiß.« Blitzschnell stand sie auf und klopfte sich den Staub von der Hose. »Du hast ganz schön gemogelt, Sam. Vom Lasso war nicht die Rede. Eigentlich wollte ich mit euch ein Wettrennen machen.«

 »Nein danke, Jul«, lehnte Daniel ab. »Es ist doch viel zu heiß zum Rennen. Es sind über 40 Grad im Schatten. Lasst uns lieber gemütlich nach Hause gehen und die Sachen für unseren Ausflug zusammenpacken. Ich schlage vor, wir brechen erst nach Sonnenuntergang auf, da ist es nicht mehr so heiß.«

 »Einverstanden«, schloss sich Samuel an. »Wir sollten nur vor den wilden Tieren aufpassen. In der Dunkelheit ist es ziemlich gefährlich, weil sie uns unbemerkt ganz schön nahekommen könnten.«

»Das sollten wir tatsächlich, Sam«, meinte auch Julia. »Die wilden Tiere werden wir uns schon vom Leib halten. Wir werden einfach nur die Augen offenhalten und auf der Hut sein.«

Als Samuel sein Lasso zusammenrollte und Julia den Rücken kehrte, griff sie zur Steinschleuder, spannte etwas ein und visierte ihn an.

Daniel sah das und erschrak. »Achtung, Sam«, warnte er mit überschlagender Stimme. Doch da passierte es schon. Die Schleuder zischte, das Geschoss traf Samuels Hut, der im hohen Bogen von seinem Kopf flog.


 Kreidebleich wandte sich der Junge Julia zu. »Bist du wahnsinnig geworden, auf mich zu schießen? Weißt du, wie gefährlich das ist? Stell dir vor, ich hätte den Stein an den Kopf bekommen?!«

Julia lächelte überheblich, steckte die Schleuder an ihren Gürtel und verschränkte die Arme. »Mach dir mal nicht ins Hemd, Sam. Das war nämlich gar kein Stein, es war nur ein weicher Weingummidrops mit Kirschgeschmack. Ich bin mir sicher, du hättest es unbeschadet überstanden. Außerdem war es auf diese geringe Entfernung kein Problem für mich, deinen Hut zu treffen.«

»Wir hatten die Abmachung, niemals mit den Steinschleudern aufeinander zu zielen«, belehrte Daniel mit finsterer Miene. »Egal, ob es ein Stein oder ein Weingummi ist. Das gehört sich nicht.«

»Okay, es war dumm von mir. Es tut mir leid und es kommt nicht mehr vor«, versicherte Julia einsichtig. »Beim nächsten Mal nehme ich das Lasso.«

 Samuel kniff die Lippen zusammen, holte seinen meeresblauen Hut aus dem Gestrüpp und setzte ihn auf. Er schien ganz schön böse zu sein, dass sich Julia nicht an die Abmachung gehalten hatte. Julia hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie das hätte nicht machen dürfen. Sich an die eigenen Regeln zu halten, war enorm wichtig für die Kids, weil sie damit wussten, dass sie sich gegenseitig vertrauen und aufeinander verlassen konnten.

Umgehend machten sich die Freunde auf den Nachhauseweg. Die drei Klassenkameraden waren beste Freunde und Hobbydetektive. Sie nannten sich "Die Texaskids" und die farbenfrohen Cowboyhüte waren ihr Markenzeichen. Der blonde Samuel trug einen meeresblauen Hut, der zu seinen blauen Augen passte. Der braunhaarige Daniel trug einen grasgrünen Hut, der gut zu seinen grünen Augen passte. Die schwarzhaarige Julia hatte braune Augen und trug einen kirschroten Hut, weil das ihre Lieblingsfarbe war. Als Texaskids hatten die drei Kinder bereits einige Verbrecher hinter Gitter gebracht und waren sehr stolz darauf.


 Nach einem beschwerlichen Marsch durch die Gluthitze näherten sie sich dem Ort, als sie auf einmal ein wummerndes Motorengeräusch hörten.

Daniel schaute sich verdutzt um. »Was ist das? Das klingt wie eine Motorsäge. Hier sind aber weit und breit keine Bäume mehr, die man fällen könnte. Das ist ja komisch.«

»Irrtum, es ist keine Motorsäge.« Samuel zeigte in eine andere Richtung. »Es ist ein Geländemotorrad und es fährt direkt auf uns zu.«

In der Tat. Ein etwa sechzehnjähriger Junge mit rot gelockten Haaren raste mit seiner Geländemaschine genau in ihre Richtung und kam rasant auf sie zugefahren.

»Vorsicht«, schrie Julia. Mit einem Hechtsprung konnten sich die drei Freunde in letzter Sekunde in die Büsche retten. Der Motorradfahrer bremste ab und blieb einen Steinwurf entfernt stehen.

»Das war sehr knapp«, stöhnte Daniel. »Um ein Haar wären wir unter die Räder gekommen. Wer ist dieser freche Kerl? Ich hoffe, das war keine Absicht.«

Die Kinder standen auf und schauten dem jungen Mann entrüstet an.

»Das ist Jimmy Warner«, erkannte Samuel den Fahrer. »Er ist der Sohn von Familie Warner. Das ist die Familie, die die Tankstelle in Bastrop betreibt. Ich habe ihn schon einige Male in der Schule gesehen. Da machte er eigentlich immer einen braven Eindruck.«

»He, du Rüpel«, schrie Daniel wütend. »Wie wäre es mit einer Entschuldigung?«

»Eine Entschuldigung?« Jimmy brach in schallendem Gelächter aus. »Ja, ihr könnt euch gerne bei mir entschuldigen, weil ihr mir keinen Platz gemacht habt.«

Er ließ den Motor aufheulen und war gerade im Begriff weiterzufahren. Doch Daniel nahm sein Lasso vom Gürtel und schwang es durch die Luft. Mit einer ausladenden Handbewegung warf er es in Richtung des Motorradfahrers. Die Schlinge flog über Jimmy und zog sich um seinen Oberkörper.

Jimmy zeigte sich völlig unbeeindruckt und begann sogar, gehässig zu lachen. »Ist das dein ernst, Kleiner? Dann halte dich mal gut fest.« Er ließ einige Male den Motor aufheulen und raste schnell los. Das Hinterrad drehte kurzzeitig durch und Steine spritzten in alle Richtungen, bevor er richtig Fahrt aufnahm.


 Krampfhaft versuchte Daniel das Seil zu halten, doch es rutschte ihm durch die Hände und wurde durch die Reibung sehr heiß. »Aua«, schrie Daniel und ließ los.

Höhnisch lachend raste der junge Mann davon und zog das Seil hinter sich her. Nach nur wenigen Metern verfing sich das Seilende im trockenen Gestrüpp, spannt sich an und riss den Rüpel von seinem Motorrad.

»Hilfe, ich hänge fest!«, schrie er und purzelte mitten in ein Kakteenfeld.

Das Motorrad fuhr alleine weiter und preschte in einen Steinhaufen, was jede Menge Staub aufwirbelte. Als sich der Staub gelegt hatte, gingen die Kinder zu dem Verunglückten. Jimmy lag stöhnend in den Kakteen und war über und über mit Kaktusstacheln bespickt. 

»Es geht mir gut. Ich brauche eure Hilfe nicht«, jammerte er und zog sich mit schmerzverzerrter Miene einen Stachel aus der Wange. »Geht weg und lasst mich in Ruhe!«

»Das gehört mir«, sagte Daniel und befreite Jimmy vom Lasso. Er rollte es zusammen und hängte es sich an den Gürtel.

»Wir sollen weggehen? Das könnte dir so passen«, antwortete Julia lachend. »Wir werden nicht eher gehen, bevor du dich bei uns entschuldigt hast.«

»Jawohl«, stimmte Samuel entschlossen zu. »Wir warten auf eine Entschuldigung. Du hättest uns fast über den Haufen gefahren.«

Vor lauter Schmerzen durch die Stacheln, die sich in seine Haut gebohrt hatten, bemerkte der junge Mann erst jetzt, wie heiß der Boden war. Hurtig stand er auf. Er ignorierte die Kinder und hinkte zu seinem Motorrad.

»Oh nein! Es ist kaputt. Ich habe es erst vor einer Stunde von meinem Vater bekommen«, sagte er weinerlich. »Mein Vater wird bitterböse sein. Hoffentlich kann er es reparieren.«

»Na ja, Jimmy«, erwiderte Samuel. »Du hast uns fast umgefahren und wurdest sogar noch frech. Wird Mister Warner das erfahren, wirst du dein Motorrad wohl ganz vergessen können.«

»Es tut mir leid«, entschuldigte sich Jimmy. »Ich weiß nicht, was über mich gekommen war. Ich fühlte mich so stark und unbesiegbar auf der Maschine und es ist einfach mit mir durchgegangen. Das würde mir nie wieder passieren. Bitte erzählt meinen Eltern nichts davon. Ja?«

»Du wimmerst herum wie ein kleines Mädchen ... Wir werden nichts erzählen«, erklärte sich Julia einverstanden. »Du wirst künftig niemanden mehr belästigen! Sobald uns was zu Ohren kommt, bist du fällig, mein Lieber!«

»Das war echt eine Ausnahme! Ich bin sonst nie auffällig geworden und werde es auch nie mehr werden. Versprochen«, versicherte Jimmy.

Samuel und Daniel halfen dem Verletzten, das verbeulte Motorrad aus dem Steinhaufen zu befreien. »Mein Vater kann es ganz bestimmt reparieren«, hoffte Jimmy. »Ich danke euch, dass ihr mich nicht verraten werdet«, sagte er dankbar und lief, die Maschine schiebend, in die andere Richtung davon.


 »Der hat aber eine saftige Abreibung bekommen«, amüsierte sich Samuel.

Die drei Freunde unterhielten sich noch eine Zeit lang über den Vorfall, während sie durchs verdorrte Gelände in Richtung Bastrop liefen.

»Ich habe eine tolle Idee, Freunde«, meldete sich Daniel wenig später. »Da wir an einem Fluss zelten werden, könnten wir uns Angeln bauen und unser Essen selber fangen.«

»Wow, das ist grandios, Dan«, stimmte Julia begeistert zu. »Das klingt nach Spaß und Abenteuer!« Sie sah sich schon bei Abendrot am See sitzen und einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser ziehen.

Doch Samuel rümpfte die Nase und schüttelte den Kopf. »Ich halte das für keine gute Idee!«

»Wieso nicht?« Julia fiel aus allen Wolken. »Wie kannst du dir ein so tolles Abenteuer nur entgehen lassen?«

»Naja, das mit dem Angeln klingt zwar sehr schön und abenteuerlich, aber was passiert, sobald der Fisch an der Leine hängt? Habt ihr euch darüber Gedanken gemacht, wie es dann weitergeht? Ihr wisst hoffentlich, dass die Fische im Fluss nicht in einer Konservendose mit Soße daherkommen?!«

»Ups.« Daniel hielt sich schockiert die Hand vor den Mund. »Stimmt ja. So weit hatte ich gar nicht gedacht. Wir müssten die Fische umbringen, sie ausnehmen und braten. Das Umbringen und Ausnehmen kann ich nicht. Wer von uns wird diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen?« Fragend blickte er seine Freunde an.

»Ich jedenfalls nicht. Du musst mich gar nicht so anschauen«, stellte Samuel klar. Er warf Julia einen kritischen Blick zu. »Willst du das übernehmen, Jul?«


 »Bist du wahnsinnig?«, empörte sich Julia. »Ich kann das auch nicht. Wie kommst du nur darauf? Sehe ich aus wie eine Fischmörderin?«

»Schade, ich hätte mich so sehr auf Fisch gefreut«, seufzte Daniel. »Aber ich wäre auch nur ungern dabei gewesen, wenn er getötet und ausgenommen wird. Bestimmt hätte ich davon Albträume bekommen.«

»Ich weiß etwas Besseres«, fiel Samuel ein. »Wir nehmen Fischkonserven mit. Da können wir so viel Fisch essen, wie wir wollen. Und wir können sogar zwischen verschiedenen leckeren Soßen auswählen.«

»Du bist ein Genie, Sam«, freute sich Julia. »Das klingt eher nach meinem Geschmack. Eine Dose zu öffnen ist viel einfacher, als selbst Fische zu fangen. Wenigstens wurden diese Fische fachmännlich bearbeitet.«

»Gut, hiermit sind wir uns wohl einig und haben eine gute Lösung gefunden.« Daniel lächelte zufrieden. »Wir können auf dem Rückweg gleich in den Supermarkt gehen und uns mit Fischkonserven, Truthahnfleisch, Käse, Tomaten, Sandwichbrot, Getränkesirup und diversen anderen Leckereien eindecken.«

Bald darauf kamen sie in Bastrop an. Die Hitze war fast unerträglich und der Straßenbelag verstärkte diese zusätzlich. Die Kids suchten einen Supermarkt auf und erledigten ihren Einkauf, der aus Fischkonserven, Truthahnwurst, Sandwichbrot, Milchpulver, Erdnussbutter, Ahornsirup, Orangensaftkonzentrat und weiteren Produkten bestand. Mit den Köstlichkeiten machten sie sich auf den Weg zu Julias Elternhaus. Dort war sozusagen ihr Revier. In der Garage der Jakobsons bewahrten auch die Jungen ihre Zeltausrüstung auf.