Band 2: Das Haus am Colorado River

 

 

87 Seiten

 

15.628 Worte

 

Lesezeit (130/min) = 120 Minuten

 

 

 

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Beschreibung

Endlich Sommerferien! Die drei Kinderdetektive Julia, Samuel und Daniel freuen sich auf schöne und erholsame Tage, die sie inmitten freier Natur mit ihren Zelten am Colorado River verbringen möchten.

 

Doch das Wetter und eine mysteriöse Beobachtung in der Nacht machen ihnen einen gehörigen Strich durch die Rechnung, worauf sie geradewegs in ihr nächstes Abenteuer schlittern.


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1.      Ein anstrengender Weg

So weit das Auge sehen konnte, gab es nur rotgoldnen, trockenen Sand und mannshohe Kakteen. Die Sonne brannte gnadenlos vom tiefblauen Himmel nieder und die Hitze ließ die Luft dicht über dem Boden flimmern. Es herrschte absolute Stille und nur ab und zu strich ein warmer Wind über die Ebene, wirbelte Sandkörner auf und entlockte ihnen damit ein zauberhaftes Glitzern.

Zwischen den Kakteen marschierten drei Kinder. Ein Mädchen mit einem roten Cowboyhut und zwei Jungen, einer mit einem blauen, und der andere mit einem grünen Cowboyhut. Jeder ihrer Schritte wirbelte Staub auf, war mühsam und kostete viel Kraft, weil ihre Stiefel tief in den weichen Untergrund einsanken.

Das Mädchen blieb stehen und wendete sich dem Jungen mit dem blauen Hut zu. »Bist du wirklich sicher, dass das der richtige Weg zum Colorado River ist, Sam?«

»Na klar, Julia«, antwortete Samuel und marschierte weiter.

Der Junge mit dem grünen Cowboyhut fing ebenfalls an, an Samuel zu zweifeln. »Warum sind wir schon seit Stunden zwischen meterhohen Kakteen unterwegs und es ist kein Ende in Sicht?«

»Vertrau mir einfach, Dan. Klar?« Samuel wirkte schnippisch und reagierte auf das Misstrauen seiner Freunde gekränkt.

»Leichter gesagt, als getan«, protestierte Julia, »wir schleppen unsere gesamte Zeltausrüstung, samt Schlauchboot mit herum, was nicht gerade ein Pappenstiel ist.«

»Ein wenig Anstrengung hat noch niemanden geschadet. Um so mehr können wir nachher unser Campingwochenende genießen«, erwiderte Samuel.

»Ich hätte es auch genossen, wenn der Weg weniger beschwerlich gewesen wäre«, war Daniel überzeugt.

»Ihr werdet sehen, das Plätzchen ist so schön, dass ihr in Sekundenschnelle die ganzen Strapazen vergessen werdet«, versprach Samuel.

Grummelnd marschierten sie in sengender Hitze weiter.

 


 

Die drei Klassenkameraden Samuel, Julia und Daniel waren gleichzeitig auch Kollegen, weil sie eine Detektei mit dem Namen »Texaskids« besaßen und als Detektive bereits einige Fälle aufgeklärt hatten. Die farbigen Cowboyhüte waren ihr Markenzeichen. Der blonde Samuel hatte blaue Augen und trug einen blauen Hut und der braunhaarige Daniel hatte grüne Augen und trug einen grünen Hut. Die schwarzhaarige Julia hatte zwar braune Augen, aber sie trug einen roten Hut, weil Rot ganz einfach ihre Lieblingsfarbe war.

Die drei texanischen Kinder, deren Vorfahren aus Deutschland stammten, hatten sich vorgenommen, in den Sommerferien einige Tage in freier Natur am Colorado River mit ihren Zelten zu verbringen. Die geplante Stelle für ihr Zeltlager war nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort Bastrop entfernt, aber der nahezu unpassierbare Weg durch die Prärie und den Kakteenwald hatte es in sich. Manchmal standen die Kakteen so dicht, dass sie wieder umkehren, und sich einen anderen Weg suchen mussten. Das schwere Gepäck, der lockere Sandboden und die Sonne, die senkrecht vom wolkenlosen Himmel herabbrannte, erschwerten die Wanderung ungemein und die Wanderung wurde regelrecht zu einer schrecklichen Tortur.

Stunden um Stunden stapften sie durch den heißen Sand und noch immer war kein Fluss in Sicht. Langsam senkte sich die Sonne zum Horizont und färbte den Himmel orangerot. Ihre Wasserflaschen waren längst ausgetrunken und Daniel hatte schrecklichen Durst. Seine Lippen waren trocken und spröde und seine Zunge klebte an seinem Gaumen. Seinen Freunden Julia und Samuel erging es nicht anders.

»Es wird bald dunkel«, sagte Julia, um Samuels Verhalten zu prüfen, das wider Erwarten kein bisschen Unsicherheit verriet.

»Gut«, antwortete er gelassen, »wenigstens sind wir dann nicht mehr der Hitze ausgeliefert.«

»Wenn du den Weg so genau kennst, kannst du uns gewiss sagen, wann wir endlich am Fluss sind«, meinte Daniel, der die ganze Sache am liebsten einfach abgeblasen hätte.

Missmutig versank Daniel in seinen Gedanken und stellte sich vor, wie schön es jetzt zu Hause gewesen wäre. Um diese Uhrzeit hätte er beim Abendessen gesessen, sich ordentlich satt gegessen und danach mit einem Buch und einem Glas kühlen Fruchtsaft auf die Terrasse zurückgezogen, wo er einige Stunden lang die kühle Sommernacht genossen hätte.

Und was war nun? Er schleppte sich durstig durch den staubtrocknen Kakteenwald und bald würde es auch noch dunkel werden, was die Wanderung gefährlicher macht, weil er sicherlich andauernd an einen Kaktus stoßen wird, dessen Stacheln seine Haut wie Nadeln durchbohren werden. Außerdem könnte eine Schlange auftauchen und ihn beißen. Langsam bereute er seine Entscheidung, sich auf den Vorschlag mit dem Campingausflug eingelassen zu haben.

 


 

2.      Der Lagerplatz am Colorado River

Der Weg schien endlos und die Hitze war trotz der Abenddämmerung unerträglich. Die Wanderer blickten nur noch auf ihre Füße, um sich auf den Weg zu konzentrieren und ihre Augen vor der tief stehenden Sonne zu schützen.

»Na?«, rief Samuel auf einmal erfreut und riss Daniel damit aus seinen dusteren Gedanken, »hatte ich es euch nicht versprochen? Wir sind da!«

Vor ihnen lag ein märchenhaft im Abendrot schimmernder See. Ein Gürtel aus Bäumen und Gras, der an die sandige Landschaft angrenzte, umsäumte den Gewässerrand. Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckte sich ein saftig grüner Laubwald am Ufer entlang.

Julia warf vor Begeisterung ihren roten Hut in die Luft und fing ihn wieder auf. »Das ist ein Paradies. Aber das ist ein See?! Wo ist der Colorado River geblieben?«

»Der See ist nicht wirklich ein See, es ist ein Ausläufer des Flusses.« Samuel zeigte zum gegenüberliegenden Ufer. »Der Colorado River fließt da hinten vorbei.«

»Klasse«, freute sich Daniel, da können wir schwimmen, ohne der Strömung des Flusses ausgesetzt zu sein.«

»Das war mein Plan«, antwortete Samuel stolz, »ich würde vorschlagen, wir bauen unsere Zelte hier am Ufer auf.«

Julia zog ihren Rucksack ab und warf ihn auf die Erde. »Du hattest recht. Der Weg hierher hat sich wirklich gelohnt.«