Band 3: Die verfluchte Farm

   

 

84 Seiten

 

15.685 Worte

 

Lesezeit (130/min) = 120 Minuten

Beschreibung

Die Texaskids Samuel, Julia und Daniel verbringen ihre Ferien auf der Farm von Daniels Onkel. Bald ereignen sich mysteriöse Dinge und die Kinder erfahren, dass das Anwesen mit einem Fluch belegt sein soll. Sie forschen nach und geraten sehr rasch in ein großes Abenteuer.


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1.    Eine abenteuerliche Unterkunft

Julia schob ihren roten Cowboyhut aus der Stirn und blickte in die Scheune, deren Boden mit Stroh bedeckt war. »Das ist wohl nicht dein ernst, Dan?« Ihr Tonfall wirkte zwar sehr ernst, aber in ihrem Gesicht stand ein schalkhaftes Lächeln.

Daniel zuckte unschuldig mit den Achseln. »Ich sagte, wir können unsere Ferien auf der Rinderfarm meines Onkels verbringen, ich sagte aber nicht, es sei komfortabel.«

»Ich finde es abenteuerlich, in der Scheune zu schlafen«, mischte sich Samuel ein.

Julia drehte sich um, sah über das Gehöft und lauschte auf das surrende Geräusch des Windrades, das neben dem hölzernen Wassertank, seitlich des Hauses stand. »Wie soll man da schlafen können? Dieser Propeller macht einen Höllenlärm.«

Daniel lächelte. »Das kein Propeller, sondern ein Mühlenrad, das durch Windkraft das Wasser vom Tank zum Haus pumpt. Hier ist eben alles noch ein bisschen altmodisch.«

Im selben Moment rauschte ein warmer Windhauch über den sandigen Boden der Ranch und wirbelte eine Staubwolke auf, die sich hinaus in Richtung der, aus Latten zusammengezimmerten, Rinderkoppel bewegte. Als die dunkelbraune Wolke dort ankam, wurden die Tiere unruhig und rückten muhend dichter zusammen.

Julia grinste breit. »Die armen Tiere haben sich ganz schön erschrocken … Okay, du hast mich überredet, Dan. Mir gefällt es hier. Das ganze Gehöft und die Landschaft sehen aus wie in einem Wildwestfilm. Wir werden hier bestimmt viel Spaß haben.«

»Ja, es fehlen nur noch die Pferde«, meinte Samuel.

Stolz zeigte Daniel auf das Gebäude, das direkt gegenüber der Scheune neben dem Wohnhaus stand. »Das ist der Stall für die Rinder und Pferde. Die Tiere sind wahrscheinlich gerade draußen auf der Koppel und werden erst heute Abend in den Stall getrieben.«

»Wirklich? Hier gibt es Pferde?«, war Samuel erfreut.

 


 

»Klar, das ist schließlich eine Farm«, erwiderte Daniel sehr stolz und versuchte dabei, seine Worte gleichgültig klingen zu lassen, was ihm aber nicht so recht gelang.

Samuel linste verstohlen unter seinem blauen Cowboyhut hervor. »Dürften wir mal irgendwann vielleicht ausreiten?«

Julia hob die Augenbrauen und schaute Samuel geringschätzig an. »Ich bestehe darauf. Wir wären mehr als nur dumm, wenn wir das nicht machen würden. Denn wer verbringt seine Ferien auf einer Farm, ohne einmal zu reiten?«

Daniel schippte die Unterlippe. »Oje, so einfach ist das leider nicht. Da muss ich aber erst Onkel Luke oder Tante Patricia um Erlaubnis fragen.«

»Das können sie uns nicht abschlagen. Sie müssen es uns erlauben und haben gar keine andere Wahl«, war Julia zuversichtlich.

Die Kinder betrachteten die sandige Landschaft, die anmutete wie eine Wüste. Vereinzelt ragten mannshohe Kakteen, ausgetrocknete Grasbüschel und dürres Gestrüpp empor. Die rötlich schimmernde Ebene schien endlos weit und schnitt sich am Horizont in einer scharfen Linie zum tiefblauen, wolkenlosen Himmel. Der Sand glitzerte, die heiße Luft darüber flimmerte und an manchen Stellen traten Luftspiegelungen auf, die den Anschein erweckten, als hätten sich riesige Wasserpfützen gebildet.

Die Landschaft um die westtexanische Stadt Lamesa wirkte staubiger und trockener als die Region ihres Heimatorts Bastrop, die 584 Kilometer entfernt war und viel weiter im Osten lag. Weil der Weg von Bastrop bis Lamesa sehr weit war, hatte sich Daniels Vater mit dem Onkel die Strecke geteilt. Mister Donovan hatte die Kinder zum 250 Kilometern entfernten Ort Brady gebracht. Von dort aus holte sie Daniels Onkel ab.

 


 

Julia, Samuel und Daniel waren nicht nur Klassenkameraden, sondern sie besaßen ihre eigene Detektei und nannten sich die Texaskids. Ihr Markenzeichen waren die farbigen Cowboyhüte, die sie praktischerweise auch vor der glühenden Sonne und vor Regen schützten. Julia trug einen roten, Daniel einen grünen und Samuel einen blauen Hut. Mit der Suche von entlaufenen Tieren und dem Überführen von Müllsündern hatten sie als unerfahrene Detektive angefangen. Seit Kurzem lösten sie aber auch echte Kriminalfälle und darauf waren sie sehr stolz.

Nun waren sie hier auf der Farm von Daniels Onkel und freuten sich auf ihre Ferien. Samuel und Julia blickten noch immer in die staubtrockene Landschaft und fanden keine Worte.

Daniel freute sich, dass seine Freunde von der Umgebung so beeindruckt waren. Lässig schob er seinen grünen Cowboyhut aus der Stirn und grinste breit. »Willkommen in der Prärie, Freunde.«

Direkt hinter dem Gehöft zog sich eine haushohe, felsige Hügelkette von etwa drei Kilometern Länge entlang, die die Aufmerksamkeit von Julia und Samuel auf sich gezogen hatte, was Daniel nicht verborgen blieb.

»Onkel Luke und Tante Patricia nennen dieses Gebirge „Die goldnen Berge«, erklärte er.

»Und was befindet sich hinter den goldnen Bergen?«, interessierte sich Samuel.

»Die Goldranch. Sie ist im Besitz von Mister Miller. Das Gebiet war einst eine Goldgräbersiedlung«, klärte Daniel auf.

Julias Augen begannen, vor Abenteuerlust zu funkeln. »Eine Goldgräbersiedlung?«

»Das klingt nach einem riesigen Abenteuer«, fügte Samuel hinzu, als wenn er Julias Gedanken gelesen hätte.

»Das denke ich auch«, meinte Daniel, »Mister Miller wird sicher nichts dagegen haben, wenn wir uns auf seinem Grundstück ein bisschen umsehen. Das machen wir aber erst morgen, denn heute möchte Onkel Luke für das Rodeo trainieren, das dürfen wir auf keinen Fall verpassen.«

 


 

Julia drehte sich wieder zur Scheune um. »Was hast du dir eigentlich gedacht, wo wir schlafen sollen, Dan? Im stacheligen Stroh?«

»Ja, wir könnten Bettbezüge mit Stroh auffüllen und diese als Matratze benutzen«, schlug Daniel vor.

Samuel kniff nachdenklich die Lippen zusammen, was Daniel sofort bemerkte. Angespannt biss er sich auf die Unterlippe und rückte dabei nervös seinen grünen Cowboyhut zurecht. »Na gut, ihr habt gewonnen. Dann könnt ihr beide eben im Haus schlafen, wenn euch die Scheune nicht gut genug ist.«

»Heißt das, im Haus gibt es ein Zimmer mit richtigen Betten für uns?«, glaubte Samuel sich verhört zu haben.

Daniel nickte zaghaft. »Ja … schlaft ihr ruhig unter Beobachtung von Tante Patricia und Onkel Luke im Gästezimmer. Ich schlafe alleine in der Scheune und denke an euch, falls ich nachts ausreiten sollte.«

Julia runzelte die Stirn. »Wir können nachts auch ausreiten, wenn wir im Gästezimmer schlafen.«

Daniel schüttelte den Kopf. »Keine Chance. Onkel Luke und Tante Patricia haben einen sehr leichten Schlaf. Wenn ihr euch nachts nur mal kurz räuspert, stehen sie schon mit einer Flasche Hustensaft in der Zimmertür.«

»Wer braucht ein Bett und ein Gästezimmer?«, rief Julia, »ich schlafe jedenfalls lieber in der Scheune.«

»Ich schlafe natürlich auch in der Scheune, ich hasse Hustensaft«, scherzte Samuel.

»Schön, dass wir uns so schnell einigen konnten«, lachte Daniel.

»Du sagtest, wir wollen nachts ausreiten?«, interessierte sich Julia.

»Nein, ich weiß nicht, das war nur ein Beispiel«, erklärte Daniel, »wir könnten zum Beispiel auch eine Nachtwanderung machen. Ihr wisst, was ich damit sagen wollte.«

Julia schob sich nachdenklich ihren roten Hut zurecht. »Wir sollen wirklich in der Scheune schlafen? Ich hoffe nur, es werden heute Abend keine Tiere hineingetrieben.«

»Keine Sorge«, antwortete Daniel, »die Scheune wird nur als Futterlager genutzt.« Er zeigte auf das Gebäude gegenüber der Scheune. »Die Tiere kommen abends in den Stall da drüben oder bleiben, je nach Wetter, draußen auf der Weide, wobei man zu dieser trocknen Jahreszeit eher Wüste statt Weide sagen könnte.«

 


»Dann geht’s ja«, war Julia beruhigt.

»Ich bin deiner Tante und deinem Onkel echt dankbar, dass wir mitkommen durften und hier die Ferien verbringen dürfen«, freute sich Samuel.

»Ich ebenfalls, es wird bestimmt aufregend«, fügte Julia hinzu.

Daniel grinste zufrieden und zuckte mit den Schultern. »Naja. Ich wäre sowieso nicht ohne euch hergekommen. Ich hätte euch doch nicht alleine gelassen.«

»Danke, das ist gut so, denn wir sind die Texaskids und müssen immer zusammenbleiben«, sagte Julia.

»So ist es«, stimmte Samuel zu, »man kann nie wissen, welche Kriminalfälle als Nächstes auf uns zukommen. Da ist es immer besser, wenn wir zusammen sind.«

Julia lachte laut. »Welche Kriminalfälle sollte es in dieser ausgestobenen Gegend geben?«

»Das stimmt. Hier gibt es weder Verbrecher noch sonst irgendwas«, war Daniel sicher und lief gefolgt von Samuel und Julia in Richtung Haupthaus, »diesmal verbringen wir ruhige Ferien.«

Zu diesem Zeitpunkt ahnten sie noch nicht, wie falsch sie damit lagen und dass ihr nächstes Abenteuer unmittelbar bevorstand.